Jahrgang 2013

Winterschlaf der Reben

Der Jahrgang 2013 startete dunkel, kalt und nass. Ich kann mich kaum an einen sonnigen Tag beim Rebschnitt erinnern.  Die Nachttemperaturen lagen bis in den April hinein, oft um den Gefrierpunkt. Die  Reben erwachten nur langsam aus ihrem Winterschlaf. Erst Mitte April wurde es allmählich wärmer.  Der Austrieb für Riesling wurde 3 Tage nach dem langjährigen Mittel, am 29. April registriert. Durch den kühlen, nassen Mai ging die Entwicklung der Reben nur sehr langsam voran.

Tropische Nächte im Rheingau

Erst Mitte Juni stiegen die Temperaturen deutlich an. Der Blühbeginn in Spitzenlagen wurde um den 16. Juni registriert.  Ab dem 24. Juni kühlte es insbesondere nachts deutlich ab, sodass sich die Rebblüte in mittleren Lagen nur langsam entwickelte  und es daraufhin zu Verrieselungen kam. Bis zu einem gewissen Maße sind diese erwünscht, da sie die Traubenstruktur auflockern. Treten sie allerdings in einem Ausmaß wie 2013 auf, können sie zu erheblichen Ernteausfällen führen. Im Juli  stiegen die Temperaturen wieder an,  sodass auch in geringeren Lagen die Blüte um den 10. Juli beendet war. Insgesamt erstreckte sich die Blüte von Mitte Juni bis in den Juli hinein.

Ab dem 4. Juli kam mit dem Hoch „Xena“ die erhoffte stabile Hochdruckwetterlage und brachte den Hochsommer, mit zahlreichen tropischen Nächten zu uns. Durch die hohen Temperaturen  wurde der Vegetationsrückstand schnell wettgemacht und die Reben profitierten vom Regenüberschuss im Mai.

Die Vegetation explodierte förmlich, im Weinberg kam man bei Heft- und Laubarbeiten kaum  noch hinterher. Trotz der Sommerhitze und nicht einem Tropfen Regen zwischen 4. und 27. Juli, waren die Weinberge in einem sehr guten Zustand. Sonnenbrand trat nur sehr vereinzelt auf.

Anspruchsvoller Herbst 2013

 Um den 24. August setzte beim Riesling die Reife ein. Es wurde ein Herbst bei dem wir für unsere qualitätssteigernden Maßnahmen belohnt werden sollten. Durch termingerechte Bodenbearbeitung,  gut durchlüftete Laubwände und das Teilen der Trauben, konnten wir unsere Weinberge im verregneten Oktober sehr lange gesund halten. Bei so viel Niederschlag waren Gummistiefel im Weinberg Pflicht!

Im Herbst 2013 galt es eine wichtige Entscheidung zu treffen. Allen war klar, dass sich unter den vorherrschenden Witterungsbedingungen Botrytis schnell ausbreiteten und die an sich schon geringe Erntemenge weiter reduzieren würde.

Aus wirtschaftlichen Gründen entschieden sich viele Winzer deshalb für eine frühe Lese, mit allen Konsequenzen. Niedrige Mostgewichte, hohe Säure und unzureichende Aromareife der Trauben.

Wir entschieden uns für die 2. Möglichkeit und ernteten sehr spät. In tagelanger Handarbeit  entfernten wir faule Trauben aus unseren Weinbergen, um so den gesunden die nötige Zeit zu geben ihre volle Aromareife zu erlangen. Dadurch profitierten unsere Weinberge vom ungewöhnlich warmen Spätsommerwetter in den letzten Oktobertagen und wir konnten goldgelbe,  aromatische Trauben ernten.

Jahrgang 2013 – Geringe Menge, tolle Qualität

Aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse im Frühjahr und im Herbst, wurden im Rheingau ca. 18 Prozent weniger als im Vorjahr geerntet. Das entspricht einem durchschnittlichen Ertrag von 60 hl/ha.  

Natürlich tut eine so geringe Erntemenge weh, doch für uns geht Qualität vor Quantität. Dementsprechend überzeugen die ersten Tankproben aus dem Jahrgang 2013 auf voller Linie. Die Jungweine präsentieren sich klar, feinfruchtig und moderat im Alkoholgehalt. Die Arbeit hat sich also gelohnt!